Zusammenfassung
Die Larven des Blauen Erlenblattkäfers Agelastica alni (LINNAEUS, 1758) (Coleoptera: Chrysomelidae, Galerucinae)
produzieren ein Wehrsekret, das biochemisch gut untersucht ist und eine ameisenabschreckende Wirkung besitzt.
Häufig wird beobachtet, dass Imagines der Gemeinen Rasenhalmfliege Thaumatomyia notata (MEIGEN, 1830)
(Diptera: Chloropidae, Chloropinae) auf den Larven herumlaufen und diese ablecken.
In der bislang einzigen Publikation dieses Sachverhalts (PSCHORN-WALCHER 1956) wird davon ausgegangen,
dass die Aktion der Fliegen die larvale Sekretabsonderung auslöst und ihnen somit Futter geboten wird.
Zur Klärung, ob eine echte Trophobiose vorliegt, wurden fotodokumentierte Beobachtungen aus Internetquellen
sowie eigene Fotoserien der Autorin ausgewertet. Es ist nicht eindeutig zu erkennen, dass die Fliegen
in der Lage sind, die Freisetzung einer nennenswerten Sekretmenge zu stimulieren und nicht nur anhaftende Reste
auflecken. Träfe ersteres zu, würden die Larven bei anhaltender Fliegenaktion durch den nicht kompensierbaren
Verlust an Körperflüssigkeit geschädigt, was eine mutualistische trophobiotische Beziehung ausschließt.
Da die Fliegen sich aber auffällig um verletzte oder von Prädatoren erbeutete Larven scharen, um deren für sie
attraktive Hämolymphe aufzunehmen, ist von einer sporadischen Interaktion zum Zwecke des Nahrungserwerbs und
gelegentlichem Kleptoparasitismus auszugehen. Ob die Fliegen Abwehrstoffe des Larvensekrets sequestrieren können,
ist unklar, aber eher unwahrscheinlich, da lediglich einzelne Thaumatomyia-Populationen mit den in
Feuchtgebieten lebenden Agelastica-Larven in Kontakt kommen.
(Seite 223)
|
|